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Hannes Köppen nach letztem Leistungstest vor RAAM 2009
Mai 2009
Frage: Hannes, Du bist einer der erfolgreichsten Ausdauersportler den wir im Handbikebereich haben. Du konntest drei mal beim Ironman auf Hawaii starten und hast zwei mal den Ironman-Weltmeistertitel nach Deutschland geholt. Was brachte Dich zum Triathlon?
Hannes: Als in den frühen 80er Jahren die ersten Bilder des Hawaii-Ironman um die Welt gingen war ich damals, als junger Mann, völlig begeistert und wusste fast sofort das ich sowas auch mal machen wollte.
Frage: Hattest Du damals in diesem Bereich schon sportliche Erfahrungen?
Hannes: Gut, ich hatte wie die meisten Jungs Fußball gespielt und dann während meines Wehrdienstes das Laufen für mich entdeckt. Später kam das Rennrad dazu das mir erlaubte lange Rad-Touren durch halb Europa zu machen. Als ich dann 1986 verunglückte befand ich mich gerade in Vorbereitung zu meinem ersten Triathlon und begann fleißig mein Schwimmtraining.
Frage: Und Du hast den Gedanken an den Triathlon-Sport auch nach deinem Unfall nie aus den Augen verloren?
Hannes: Sicher, damals in den 80ern gab es noch keine Handbikes. Im Ausdauerbereich war der Rennrollstuhl das Mittel der Wahl. Ich hatte den Gedanken an Hawaii vielleicht ein wenig auf die Seite geschoben, aber nie völlig abgelegt. Als dann Mitte der 90er die ersten renntauglichen Geräte verfügbar waren ergab sich dann meine Chance.
Frage: Wann hast Du dann deinen ersten Triathlon gemacht?
Hannes: Das war, ich denke 1997 bei meinem jetzigen Verein, dem PV-Trithlon Witten.
Frage: Du hast im Handbike-Triathlon Pionierarbeit geleistet.
Hannes: Ich denke ja, allerdings war das nicht nur ich sondern auch Olaf Niebisch. Ich hatte mich dann mit Olaf auch einige Jahre später beim Ostseeman in Glücksburg verabredet um dort gemeinsam als erste deutsche Rollstuhlsportler die Langdistanz zu machen. Ich erinnere mich, dass die Ostsee in jenem Sommer verdammt kalt und mein Schwimmstil noch wirklich schlecht war. Allerdings konnte ich dann im Bike den verloren gegangenen Boden wieder zurückgewinnen.
Frage: Ich sah Dich im Januar auf Lanzarote nach einer 16 Stunden Trainingseinheit als Vorbereitung für ein Ausdauerrennen ganz anderer Art.
Hannes: Ja, ich hatte zusammen mit Vico (Vico Merklein d.Red.) und Thomas (Dr. Thomas Lange d.Red.) für das 24 Std Rennen in Sebring / Florida trainiert. Das Rennen sollte für Vico und mich als Vorbereitung zum Race Across America dienen und für Thomas als Vorbereitung auf sein Rennen in Norwegen (Trondheim-Oslo).
Frage: Du bist in Florida dann nicht an den Start gegangen.
Hannes: Meiner Mutter, die seit einigen Jahren schon an Krebs litt, ging es nach meiner Rückkehr aus dem Trainingslager zusehends schlechter, sodass ich mich entschloss nicht zum Rennen anzureisen, sondern zu Hause bei ihr zu bleiben.
Frage: Thomas Lange hat in Florida einen neuen 24-Stunden Weltrekord aufgestellt war das vorherzusehen?
Hannes: Ganz eindeutig ja. Wir hatten bei unserem Langdistanztraining auf Lanzarote in welligem Terrain nach 16 Std jeder mehr als 400km auf der Uhr. Hochgerechnet auf 24 Stunden ergaben sich somit ungefähr 600 km. Das war was wir beide auch so in etwa anvisierten. Thomas hat dann letztendlich im Rennen nochmal richtig einen drauf gesetzt, das war ganz große Klasse.
Frage: Du wirst in diesem Jahr als Mitglied eines 4-Mann-Handbike-Teams beim Race Across America über ca.5.000 km und ca.30.000 Höhenmeter starten. Was ist das für ein Team?
Hannes: Nach dem Ironman auf Hawaii 2007 überlegte ich mit Pat Doak ein RAAM-Team aufzubauen. Unsere Überlegung war so eine Art All-Star-Ironman Team zu formen und Geldgeber zu finden die dieses Konzept unterstützten. Zum damaligen Zeitpunkt sollten Pat Doak, der Weltrekordinhaber Carlos Moleda, der letztjährige Hawaii-Zweitplatzierte Jason Fowler und ich zu diesem Team gehören.
Frage: Nun ist aber der für Sopur fahrende Vico Merklein in euer Team gekommen. Wie kam es dazu?
Hannes: Wir brauchten zunächst einen Ersatzmann. Ich hatte Vico vorgeschlagen von dem ich weiß, dass er nicht nur auf den kurzen Strecken stark ist, sondern während der letzten Jahre auch auf den langen Distanzen extreme Fortschritte gemacht hat. Außerdem besitzt er den richtigen "Punch" am Berg, bei ca. 30.000 zu überwindenden Höhenmetern ein echtes Argument. Die anderen Teammitglieder und die Geldgeber waren mit diesem Vorschlag einverstanden. Als dann J. Fowler seine Teilnahme zurückzog war Vico drin. So einfach ist das manchmal und nun haben wir ein schönes deutsch-amerikanisches Team.
Frage: Was sind eure Ziele für das Rennen?
Hannes: Wir möchten als erstes Handbiketeam die Kriterien für non-handicapped Radteams erfüllen. Hierzu müssen wir den Kontinent in weniger als 9 Tagen durchqueren.
Frage: Gibt es eine Möglichkeit das Rennen online zu verfolgen?
Hannes: Sicher, zum einen auf der Homepage des Teams: (www.teamcanbeventure.com), auf der offiziellen RAAM-Homepage: www.raceacrossamerica.org oder aus einem mehr persönlichen Blickwinkel auf www.hanneskoeppen.com
Frage: Lass mich abschließend fragen, wie es bei Dir mit einer weiteren Hawaii-Teilnahme aussieht.
Hannes: Den Startplatz habe ich durch meinen letztjährigen Titel ohnehin sicher. Die Form ist durch das Training für das RAAM auch da. Natürlich leidet mein Schwimm- und Rennrollstuhltraining zur Zeit ein wenig, aber wenn ich nach dem RAAM hinreichend gut regenerieren kann, warum eigentlich nicht? Spaß macht's immer noch!