22. internationaler Korschenbroicher City-Lauf 2010
Holger Falk
"Jetze" hat es jetzt geschafft!
Torsten Purschke treibt den niederländischen Newcomer Jetze Plat zum Streckenrekord
18.April 2010 - "Wir kommen alle gerne nach Korschenbroich, diese Atmosphäre auf mehreren Runden, das hat schon was", ließ Andrea Eskau in der Pressekonferenz vor dem Rennen verlauten. "Dabei kommt der enge Kurs den Kniebikern sicherlich entgegen", ergänzte die Goldmedaillengewinnerin von Peking, zumal ein Blick in die Ergebnislisten der vergangenen Jahre die 39-jährige durchaus zu bestätigen scheint. War aber schon das Vorjahresrennen zwischen Decleir, Bruijn, Merklein und Purschke hart umkämpft, so wurde diese 7. reha team West & Otto Bock-Trophy sogar zu einer echten Zentimeterentscheidung auf der Ziellinie.
Ein strahlend blauer und durch die Auswirkungen des Vulkans
Eyjafjallajökull insofern auch kondensstreifenfreier Himmel
bot den passenden Rahmen bei frühlingshaften Temperaturen. Ohne
Titelverteidiger Wim Decleir nahmen auf den ersten beiden Runden
Roel Bruijn, Jetze Plat, Torsten Purschke, Vico Merklein und
Edward Maalouf das Heft in die Hand. Wenn auch Maalouf als H2-Fahrer
seiner anfänglichen Führungsarbeit Tribut zollen musste, so
konnte er sich doch frühzeitig einen beachtlichen Vorsprung
gegenüber Tobias Knecht herausarbeiten, der ihn 14 Tage zuvor
beim EHC-Auftakt in Rosenau noch besiegt hatte. An der Seite
des Libanesen blieb über den gesamten Rennverlauf Vico Merklein,
der im Interview nachher bekennen musste, dass "das, was da
heute ganz vorne abging", für ihn diesmal zu schnell war.
Diese Einschätzung aus den Worten des amtierenden Weltrekordhalters
auf der Marathondistanz lässt erahnen, welchen Kampf sich Roel
Bruijn, Jetze Plat und Torsten Purschke lieferten. Die Leistung
des Chefs des Otto Bock-Teams, der als Liegebiker den beiden
holländischen Jungspunden im Kniebike auf beeindruckende Weise
Paroli bot, ist dabei nicht hoch genug zu bewerten. Dauernde
Führungswechsel und ein Tempo, das bereits frühzeitig die Verbesserung
des Streckenrekordes (20:29,97 Minuten) verhieß, taten ihr übriges
dazu bei, dass den tausenden Zuschauern ein fulminantes Rennen
geboten wurde. Bruijn als EHC-Sieger von 2009 und dem erst 19-jährigen
Plat (10. der WM von Bogogno) gelang es nicht, Purschke vor
dem Zielsprint zu distanzieren. Und so stürmten die Drei Schulter
an Schulter auf die Hindenburgstraße. Minimale 61 Hundertstel
machten dann letztlich den Unterschied aus und Jetze Plat kann
nun erstmals in seiner noch jungen Karriere auf den Titelgewinn
bei einem Klassiker verweisen. Logisch, dass seine 20:01,10
Minuten den Streckenrekord deutlich verbesserten.
Edward Maalouf setzte seinerseits neue Maßstäbe. Noch nie in der langen Historie der Rennen von Korschenbroich, die vielen Konkurrenzen der Rennrollstuhlsportler in den neunziger Jahren eingerechnet, ist einem Fahrer gelungen, seine Wertung viermal hintereinander für sich zu entscheiden. 20:19,71 Minuten sahen den Libanesen ebenfalls noch unter dem alten Streckenrekord und in relativer Sichtweite des Spitzentrios. Danach Vico Merklein als Zweitplatziertem der H3, gefolgt von Tobias Knecht als Zweitem der H2. Andrea Eskau lag während des Rennens im Windschatten von Patrick Gabriel und gewann souverän die Frauenkonkurrenz in 23:22,10 Minuten und neuem Streckenrekord vor Svetlana Moshkovich vom Otto Bock - Team. Nicht zu vergessen die vielen attraktiven Positionskämpfe, die sich Klassefahrer wie Hartmut Goldapp, Patrick Gabriel, Jean-Francois Deberg, Ulli Freitag, Ralf Weisang, Thomas Wagner und Friedhelm Müller inmitten einer Veranstaltung lieferten, die mit 3104 Finishern ihrerseits einen neuen Rekord erlebte.
Die 8. reha team West & Otto Bock - Trophy startet am 10. April 2011.