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Sehr geehrter Herr Grote,

ich möchte mich kurz vorstellen. Mein Name ist Jörn Kreinberg, bis 2017 Ressortleiter des Handbike- und Rollstuhlrennen beim Hamburg Marathon und weiterhin beim Berlin Marathon sowie Mitglied der Orga / Handbike-Trophy zu deren Rennserie der Hamburg Marathon bisher zählte.

Zunächst lege ich einmal meine Sichtweise zur Chronologie dar. Jahrelang hatten wir gute integrative Verhältnisse beim Hamburg Marathon, was sich durch 80-90 Anmeldungen ausdrückte. Die Begeisterung für das Rennen und die Stadt Hamburg war jedes Mal sehr groß. Das betraf Paralympicsieger und Weltmeister genauso wie Hobbysportler. Über die Jahre entwickelte sich auch in der Hamburger Bevölkerung eine sichtbare Begeisterung für unseren Sport. Das zeigte sich zum Beispiel dadurch, dass viele Zuschauer schon an der Strecke waren obwohl die Läufer wesentlich später kamen, also explizit um uns zu sehen und anzufeuern. Auch das Fernsehen erkannte das und berichtete regelmäßig über unseren Teil der Veranstaltung, obwohl das wegen der hohen Geschwindigkeit eine große technische Herausforderung war. Grundlage dafür war immer, dass der Wettbewerb ernstgenommen wurde und nicht nur weil der Sender wegen seiner gesetzlichen öffentlichen Aufgabe über Menschen mit Behinderung berichten sollte. Für so etwas stand und stehe ich im Übrigen auch nicht zur Verfügung. Unterstützt wurde ich bis dato auch von der Politik. Dazu ein Beispiel: Als es in einem Jahr mit der Siegerehrung Verzögerungen und Irritationen für die Handbiker gab, kam der damalige Senator Michael Neumann sofort zu mir und entschuldigte sich, obwohl er nun wirklich der letzte war, der etwas dafür konnte, und fügte hinzu „Sie sind die ersten die ins Ziel kommen und Sie werden in Zukunft gleichwertig geehrt werden“. So war es dann auch.

Als nun die Anmeldung für 2018 online war stellte ich mit Erstaunen fest, dass unser Wettbewerb nicht mehr vorgesehen war. Eine Nachfrage bei der Hamburg Marathon Veranstaltungs GmbH ergab, dass es keinen Wettbewerb für Menschen mit Behinderung mehr geben würde. Daraufhin kontaktierte ich direkt den Geschäftsführer Frank Thaleiser, mit dem ich Jahrelang gut zusammengearbeitet hatte. Der ruderte zurück und versicherte mir, es würde auf jeden Fall etwas geben, aber er wüsste nicht genau wie das aussehen wird, weil er das erst mit den Behörden zwecks Streckensperrung etc. klären muss. Jetzt, Monate später und ohne Einbindung meiner Person, steht fest, dass es einen vom Hauptlauf abgekoppelten Halbmarathon mit eigenem Start/Ziel geben wird. Das hat zur Folge, dass die Handbike-Trophy und damit verbunden auch meine Person nicht mehr hinter dieser Veranstaltung stehen können. Es muss mit erheblich weniger Anmeldungen gerechnet werden. Das wiederum birgt die hohe Gefahr in sich, dass der Wettbewerb irgendwann komplett gestrichen wird.

Der Wettbewerb startete seit 1986 traditionell vor dem Hauptlauf der Läufer. Getragen wurde das Erfolgsrezept von dem Veranstalter und den vielen ehrenamtlich helfenden Menschen mit Behinderung selbst. Der NDR Fernseh Co-Moderator für das Handbikerennen kam in jedem Jahr auf eigene Kosten aus Heidelberg. Rollstuhlfahrer aus der Umgebung Hamburgs boten kostenlose Unterkünfte für nicht so gut betuchte Teilnehmer aus dem In- und Ausland an. Die Orga der Handbike-Trophy übernahm einen großen Teil an Arbeit, die mit dem Rollstuhl- und Handbikewettbewerb im Zusammenhang stand.

Bis 2017 war meine Wahrnehmung, dass wir von allen gerne und als Bereicherung gesehen wurden. Jetzt habe ich allerdings den Eindruck, dass wir nur noch Störenfriede im Hauptlauf sind. Auf der Webseite des Hamburg Marathon ist Stand 11.09.17 zu lesen:

Eine Wiederholung des Women’s Race im Rahmen des Haspa Marathon Hamburg wird es in diesem Jahr nicht geben, da dort der Fokus wieder mehr auf den Marathonläufern liegen soll. Als Alternative gibt es nun den Halbmarathon Hamburg.

Mir ist klar, dass Ihre Behörde nicht die Hamburg Marathon Veranstaltungs GmbH ist, aber die Stadt Hamburg unterstützt diese Veranstaltung und so fällt natürlich der Schatten automatisch auf unsere Stadt.

Wir von der Handbike-Trophy Organisation haben viel und gerne ehrenamtliche Arbeit investiert, um den Wettbewerb der Menschen mit Behinderung beim Hamburg Marathon zu etablieren. Ich behaupte, das ist gelungen. Als Ressortleiter beim Berlin Marathon finde ich eine selbstverständliche Akzeptanz, die Beispielhaft ist. Trotzdem war auch Hamburg immer ein Jahres- Highlight für alle Beteiligten und es hat Freude gemacht, daran mitzuwirken. Ich jedenfalls werde als gebürtiger und ansässiger Hamburger weiterhin den Berlin Marathon unterstützen. Von Ihnen als Innen- und Sportsenator wünsche ich mir, dass Sie den Rückschritt mit den Konsequenzen für eine gelungene Integration in Hamburg sehen und mit Ihren Möglichkeiten dagegen Steuern.

Mit freundlichen Grüßen

Jörn Kreinberg

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